Die inhaltliche Karstadt-Diskussion ist zu komplex, um sie hier zu kommentieren. Den kompletten juristischen Papierkrieg zum Thema kennen sowieso nur noch ein paar Anwälte, und mit weniger ist ein kompetenter Kommentar nicht zu machen.
Zur Diskussion in den Medien jedoch kann ich mir ein paar Anmerkungen nicht verkneifen, vor allem zu dem Artikel “Gewerkschaft bangt um Karstadt-Rettung” bei Spiegel Online. Dieser Artikel enthält zwei interessante Widersprüche:
Erstens:
[Margret] Mönig-Raane [von ver.di] sieht Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) in der Pflicht: “Er hätte hinter dem Bühnenvorhang mal Tacheles reden können, das hätte ich schon erwartet.”
Na bravo: Nach vorne jammern, und gleichzeitig fordern, daß “hinter dem Bühnenvorhang” gearbeitet wird. Angenommen Herr Bundeswirtschaftsminister Brüderle hätte dieser Forderung tatsächlich entsprochen – woher wüssten wir es denn??? Doch nur, wenn es eine MEGA-Indiskretion gegeben hätte.
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Die aktuelle Titelgeschichte bei KoopTech, “Spendercrawl – Parteispenden-Analyse Teil 3” endet mit der Frage: “Welche frei verfügbaren Daten könnten die Machtverhältnisse besser abbilden?” (im Kontext von “Die tatsächlichen Machtverhältnisse bleiben offensichtlich im Netz verborgen. Vom bürgerlichen Lager ist kaum etwas zu sehen, …”).
Soweit ich die verwendete Analyse verstehe, ist sie beschränkt auf Internet-Netzwerke (bzw. öffentlich bekannte Kapitalverflechtungen – ganz nett, hilft aber offensichtlich auch nicht). Damit spiegeln diese Analysen vor allem die Kommunikationspräferenzen wider. Wie wir alle in den letzten Jahren beobachten konnten (z.B. im Umfeld der “Zensursula”-Debatte) sind die Kommunikations-Präferenzen stark mit Ideologien korrelliert. Um die Diskussion anzuschieben, postuliere ich folgende Korrelationen:
- CDU/CSU-Anhänger treffen sich in der Kirche, auf Familienfeiern oder am Stammtisch. (Dabei ist eine erweiterte Interpretation von “Stammtisch”, z.B. der Wiener Opernball, zulässig
) – am “Stammtisch” finden sie auch mit der FDP zusammen. Na gut, geschäftliche Besprechungen und Dienstreisen kann man hier auch mitzählen.
- Die SPD-Anhänger treffen sich im weitesten Sinne bei Vorträgen (z.B. an der Uni), Versammlungen (z.B. im Zusammenhang mit Betriebsratsirgendwas) und Demonstrationen
- Die Grünen treffen sich online, um ihre vielfältigen offline-Aktivitäten zu organisieren, bei denen sie sich dann auch “offline” treffen.
Möglicherweise spiegelt das auch das Durchschnittsalter wieder, so weit würde ich jetzt eigentlich nicht gehen wollen
Damit wäre klar, wo man nach der tatsächlichen Vernetzung suchen müsste: Nur für die Grünen trifft eine online-Analyse den Nerv, die Netze der “Bürgerlichen” könnte man mit den Methoden der Klatschpresse aufdecken und die der SPD mit den Methoden des BND
So, jetzt ist hoffentlich genug Öl ins Feuer gegossen für eine coole Diskussion
Vielleicht wäre eine Variante von XING interessant, bei der jeder “fremde” Bekanntschaften eintragen kann. Z.B. Tanzpaare am Opernball, Familienverflechtungen, gemeinsame Gewerkschaftsauftritte usw. Damit’s funktioniert müsste man’s in zweierlei Hinsicht moderieren: Einerseits müsste sichergestellt sein, daß nur Personen des öffentlichen Interesses auftauchen, andererseits muß die Datenqualität sichergestellt werden, z.B. durch Review. Vielleicht kann man sowas einfach bei abgeordnetenwatch andocken?
Wer macht?
Heute schreibt der Spiegel Online über die Schweinegrippe: “Chronik einer Hysterie“.
Ich bin ein kleines bisschen stolz auch mich: Denn während der Spiegel jetzt als eine der vier Lehren aus der Schweinegrippen-Hysterie auch aufführt: “Wie [...] Medien die Hysterie gefördert haben” hat das Bananenblatt schon (naja…) am 13. Juli einen Artikel zum Thema “Schweinegrippe und Medienkompetenz” veröffentlicht. Darin steht:
Medienkompetenz bedeutet vieles – unter anderem, sich nicht aufgrund der Häufigkeit eines Themas ein Urteil über die Wichtigkeit zu machen. Stattdessen sollte jeder die Wichtigkeit selbst und für sich selbst beurteilen.
[...] [Schwinegrippe war ein Thema], das ich innerhalb von weniger als einer halben Stunde quantifizieren konnte.
Daß Medien ihr Dings nicht immer neutral auf die Reihe kriegen ist wohl eine Tatsache, mit der wir leben müssen. Ob wir darauf hereinfallen liegt in unserem eigenen Ermessen.
Ich hab’s doch gleich gesagt.
Vielleicht ist es ein wenig überinterpretiert, aber das folgende Zitat von Heise finde ich schon ziemlich cool:
Ohne Vergleichszahlen lässt sich ein solcher Trend allerdings nicht seriös belegen.
Es bezieht sich auf die Pressemitteilung, die behauptet: “Im Rahmen des Fokusberichtes [...] wurden nun erstmals detaillierte Umsatzzahlen erfasst. Und diese zeigen einen eindeutigen Trend: [...]”
Also was nun? – Entweder erstmals erfasst, oder ein eindeutiger Trend. Beides zugleich geht nicht.
Darüberhinaus kitzelt mich das Statement weiter unten in der Erklärung: “Eine Auswahl der Daten steht kostenlos zur Verfügung …” – sobald ich Zeit dafür habe, nehme ich auch das gründlicher unter die Lupe. Wer findet die kreativste Statistik-Interpretation in diesem Datenmaterial?
Hannelore schreibt unter dem Titel “Grenzt zunehmende Technologisierung ältere Menschen aus?“. Ich sehe das anders, so wie viele: Exzessive Netz-Nutzung grenzt uns jüngere aus: Wir sollten nicht vergessen, daß die sogenannten “älteren” in der Überzahl sind!
Natürlich kenne ich die in den Kommentaren genannten Probleme, aber noch gibt es – wenigstens hier in Deutschland – in jedem Städtchen ein paar Bankfilialen und Briefkästen und so. Die Welt der Netz-Verweigerer wird nicht “kleiner”, sie bleibt ungefähr, wie sie war. Die Welt der Netz-Nutzer wird beständig größer, und die Verweigerer haben daran nicht teil. Sie haben sich das so ausgesucht.
Ich denke, es gibt zwei Wurzeln, an denen Netz-Verweigerung sozusagen “andockt”:
– Abstraktion
– Vertrauen
Unter Abstraktion verstehe ich dabei einige der Themen, die A bzw. Thoma im Kommentar angesprochen hat: Ein Computer braucht eine Einführung. Das Problem mit der “Computer-Techniksprache” hängt ursächlich daran, daß es für eine Abstraktionen wie “Fenster”, “Link” bzw. “Verknüpfung” oder “Maus” außerhalb der Computer-Techniksprache nicht nur kein Wort gibt, sondern das Konzept gar nicht existiert. Man kann es nicht mit normalen Begriffen erklären, weil es keine “normalen” Konzepte sind. Marketing-Kauderwelsch macht’s nicht besser, aber im Kern geht es um neue Konzepte, neue Abstraktionen, neue Abbildungen der Wirklichkeit. Und: “Wir” haben gelernt, abstrakt zu denken. Die Gangschaltung im Auto, Fernseher (sogar mit Fernbedienung), die Wählscheibe am Telefon, die “Platte” (erst Vinyl, dann CD) und die “Kassette” – all das sind Abstraktionen, mit denen wir aufgewachsen sind. Unsere Eltern sind in diesem Sinne in einer konkreten Welt aufgewachsen: Maier, Müller, Schmidt – Villingen, Schwenningen, Metzingen – Wurst, Käse, Eier. Das Leben unserer Eltern war bestimmt von Dingen, die man in die Hand nehmen konnte. Aus dieser Welt grenzen wir uns aus, wenn wir nicht aufpassen.
Unter Vertrauen sehe ich die weiteren Themen: Wie bekommen unsere Eltern ein Gefühl dafür, wenn sie “etwas kaputt machen”? Wann sie ihren Online-Banking-Account für die Welt öffnen? An der Oberfläche scheint es sich um Vertrauen in die Technik zu drehen, aber wenn man gut zuhört findet man, daß der Knackpunkt das Selbstvertrauen im Umgang mit der Technik ist. Nun, Vertrauen hat etwas mit Vertrautheit zu tun, und solange die Praxis nicht da ist, bleibt die Vertrautheit aus.
Keine Praxis, keine Vertrautheit. Keine Vertrautheit führt zu Angst und Unwillen, Angst und Unwillen verhindern Praxis. Ein Teufelskreis.
Der Umgang mit körperlicher und geistiger Unbeweglichkeit, den Hannelore anspricht, ist eigentlich der zentrale Hebel. Zum Abschluß, weil’s einfach zum niederknien schön ist, Hannelore in ihren eigenen Worten:
Ich [...] weiß ganz genau, wenn ich mich nicht ständig auf dem Laufenden halte (nicht nur beim Anwenden, sondern auch im selbst erstellen), dann wird die Wissenslücke immer größer und die Lernkurve zum Aufholen immer steiler. Im Übrigen habe ich festgestellt, dass ich schneller lerne je älter ich werde, weil sich meine Wissensbasis erweitert und weil ich mich beeilen muss, denn es gibt plötzlich ein faszinierendes und riesiges Angebot.
Der Spiegel-Online-Artikel “Bewerbungstrainings bringen nichts” verweist auf die Studie “Auf den Inhalt kommt es an” des Institutes für Arbeitsmarkt und Berufsförderung.
Nachdem ich kürzlich eine “Studie” des DGB seziert hatte (“Statistik seziert: Abitur und Arbeitslosigkeit“), ist das hier die Gelegenheit, ein positiveres Beispiel vorzustellen. Die Studie ist zwar schwieriger zu lesen, doch die enthaltenen Aussagen sind solide argumentiert.
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Der “Eintritt” ins heutige Thema war für mich wieder einmal ein Artikel bei Spiegel Online: “Warum Microsoft und Google Twitter brauchen“. Im Prinzip geht es um die Vermischung von Sozialen Medien mit klassischen Medien: Wie weit können soziale Medien die klassischen Medien ersetzen? Tatsache scheint zu sein, daß Twitter, Facebook & Co manchmal die klassischen Nachrichten an Tempo weit überbieten. SPON beschreibt das als “Schreckensszenario aus dem Social Web für alle, die vom Filtern, Einordnen und Präsentieren von Nachrichten leben”.
Gleichzeitig stelle ich mir die Frage, ob Geschwindigkeit hier tatsächlich der einzige Maßstab ist. Auch dazu gibt es ein aktuelles Beispiel… (more…)
Der DGB hat eine Studie über Arbeitslosigkeit u.a. von Abiturienten veröffentlicht – hier geht’s zum Original: http://www.dgb.de/2009/10/arbeitslosigkeit_abiturienten.pdf
Heise.de berichtete hier, uns Spiegel Online hier.
Und ich versuche mit ein bisschen gesundem Menschenverstand und einer gesunden mathematischen Halbbildung herauszubekommen, wieviel die jeweiligen Redakteure vom Thema verstanden haben. Dazu ein Wort vorweg: “Prozent” bedeutet “von Hundert” oder “Hundertstel”.
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